Cocktails, gebrannte Wasser, Zigarrendunst -- die Gespräche an Orlandos Bar drehen sich um Medienkritik, Kultur, Philosophie, um Gesellschaftspolitik, Religion, Familie und Erziehung, um Mann und Frau -- und ums Kochen. Gejammer, Gelächter, Angeberei sowie gepflegte Beschimpfungen sind an der Tagesordnung.



Samstag, 5. März 2011

In the cannon's mouth - die sieben Stadien


All the world's a stage
And all the men and women merely players:
They have their exits and their entrances;
And one man in his time plays many parts, His acts being seven ages.

At first the infant,
Mewling and puking in the nurse's arms.
And then the whining school-boy, with his satchel
And shining morning face, creeping like snail
Unwillingly to school. And then the lover,
Sighing like furnace, with a woeful ballad
Made to his mistress' eyebrow. Then a soldier,
Full of strange oaths and bearded like the pard,
Jealous in honour, sudden and quick in quarrel,
Seeking the bubble reputation
Even in the cannon's mouth. And then the justice,
In fair round belly with good capon lined,
With eyes severe and beard of formal cut,
Full of wise saws and modern instances;
And so he plays his part. The sixth age shifts
Into the lean and slipper'd pantaloon,
With spectacles on nose and pouch on side,
His youthful hose, well saved, a world too wide
For his shrunk shank; and his big manly voice,
Turning again toward childish treble, pipes
And whistles in his sound. Last scene of all,
That ends this strange eventful history,
Is second childishness and mere oblivion,
Sans teeth, sans eyes, sans taste, sans everything.

(W. Shakespeare, As you like it, Jaques' Monologue, Act II., Scene VII)

Montag, 28. Februar 2011

Kleine Männer - und ein Buchtipp

Gestern einen ganzen wunderschönen Nachmittag lang mit zwei kleinen Männern (5 und 3) in Fantasiewelten getaucht. Der Reihe nach zuerst mit der Playmobil©-Polizeistation Verbrecher gejagt, die gleichzeitig Piraten waren. Deshalb das Playmobil©-Piratenschiff flottgemacht und aufs offene Meer hinausgesegelt auf Schatzsuche. Da der Schatz einem König gehört, kam bald das Playmobil©-Ritterschloss samt Prinzessin Genoveva, Ritterrüstungen und Katapulten ins Spiel - schliesslich musste man nun die Piraten abwehren, die die Burg einnehmen wollten, was mithilfe der eingangs erwähnten Playmobil©-Polizeifahrzeuge und -hubschraubern vorzüglich gelang.

Und da das Ritterschloss bei dem Angriff Feuer fing, kam am Schluss auch das Playmobil©-Löschfahrzeug zum Einsatz, womit nun alles einen Zusammenhang ergab und sämtliche Spielfiguren samt Gerät in diesem Kinderzimmer im gleichen Spiel Verwendung fanden.

***

Wie mir diese verfluchte Bloggerei auf den Keks geht! Dieses streiten, um Agumentation ringen, überzeugen wollen, unhaltbare Meinungen niedermachen, die Angriffe abwehren, das sich Mühe geben, seriös zu tönen und in den richtigen Momenten für voll genommen zu werden, geschwungen zu formulieren...und dann das kompulsive Ritual beim Heimkommen: als erstes den PC angeschaltet, ein Pilsner Urquell geöffnet, hinsitzen und sich über die Reaktionen freuen, die man ausgelöst hat oder sich zu ärgern mit welcher Ignoranz über teilweise sorgfältig gearbeitete Texte hinweggegangen wird. Die Übelkeit, die sich regt, schon wenn man nur den Mamablog aus der Favoritenliste anwählt...

Verdammte Loser alle, soziopathische Nerds, die den ganzen Tag vor dem Bildschirm verbringen und ihr Gewixe absondern, arme, einsame, unfrohe Menschen, die im Leben nichts haben als ihre Blogs an denen sie sich annabeln wie an den Zitzen einer Übermutter - Mamablog, die nährende, feuchtwarme, erdrückende, schwabbelige, schleimige Riesentitte!

Der Barmann braucht dringend Ferien!

***

"In unseren menschlichsten Anwandlungen sind wir wie die Pflanze lichtwendig - alles öffnet sich zur Sonne, welches das uns zugewandte Gesicht des anderen ist. Diese Zugewandtheit muss so rein wiederhergestellt werden, wie sie der Säugling im Wochenbett erfuhr.
Und sei es mithilfe spezifuscher Drogen, künstlicher alterogener Mittel, die den anderen so verschleiert und verschliert wir ihn sonst erleben, von schlechter rede und billigen Gebärden verdorben, wieder zu seiner Heilsamen Erscheinung bringen"
(Botho Strauss, Vom Aufenthalt, 2009)

Vielen herzlichen Dank an lina für den wertvollen Tipp am Samstag. Botho Strauss, der alte Querdenker, der veritable Konservative, der anachronistische Denker unter Deutschlands Dichtern, der Autor des "Anschwellenden Bocksgesanges", der Anfang der Neunziger Jahre ein kleines Hassgewitter im Feuilleton verursachte, wie konnte ein Theaterautor, "einer von uns", ein Avantgardist so etwas schreiben?
"Vom Aufenthalt" - vielleicht ist auf diesem Blog bald mehr dazu zu lesen.

Montag, 14. Februar 2011

Allerlei Unappetitlichkeiten

Max hat eine brilliant geschriebene und - in mehrerlei Hinsicht - äusserst unappetitliche und beunruhigende Geschichte über die Zustände in staatlichen Kinderdeponien im so erhaben progressiv-rotgrünen Staate Bern.

Dort übrigens kämpft eine Paradefreu der modernen Sozialfeminokratie um einen Ständeratssitz für ihre mehr als angeschlagene Partei. Ursula Wyss verfiel im zarten Alter von 16 Jahren dem Sozialismus, war lange Juso-Aktivistin und wurde nach zwei Legislaturen im Grossen Kantonalbernischen Rat als junge, alleinerziehende Mutter 1999 eine der jüngsten Nationalrätinnen. Nach Stellen bei einem "Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien" und dem WWF war sie von 2001 bis 2005 wissenschaftliche Assistentin am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Bern. 2006 promovierte sie mit ihrer Arbeit "Arbeitszeitformen und Freizeitverhalten. Eine Zeitbudgetuntersuchung" .

Ihre eigene Arbeitszeitform verwendete Wyss vor allem darauf, im Gefolge der braven, dogmakonsequenten Femininisierung der SP-Parteispitze unter Hansjörg Fehr, als tüchtige Parlamentarierin und Fraktionschefin der SP in der eidgenössischen Bundesversammlung (seit 2006) hervorzutun. Wyss gilt als eine der massgeblichen Architektinnen der unter Ausschluss der Öffentlichkeit geplanten, in einem macchiavellistischen Kabinettstück verwirklichten Abwahl von Bundesrat Christoph Blocher von der in der kurz zuvor in den Wahlen zur historisch stärksten Partei in der Schweizerischen Eidgenossenschaft aufgestiegenen SVP im Dezember 2007.

Diesen in der schweizerischen Politik bislang beispiellosen Vorgang verteidigte die am 6.März 2011 um den Ständeratssitz kämpfende Politikerin in dem SF-Dok-Film "Die Abwahl" von Hansjörg Zumstein aus dem Jahre 2008 nicht ohne Stolz und Häme.
Wyss strebt derzeit die Nachfolge der im September 2010 in den Bundesrat gewählten moderaten SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga an. Im Gegensatz zu Sommaruge verfügt Wyss nur über wenig politische Erfahrung ausserhalb einer Karriere in der eigenen Partei. Im Gegensatz zu ihrem Hauptkonkurrenten Adrian Amstutz (SVP) hat sie nie ein öffentliches (Exekutiv-)Amt bekleidet, geschweige denn unternehmerische Erfahrungen gesammelt.

Mittwoch, 26. Januar 2011

"Selber schuld, Fehr! Geschieht dir ganz links!"

Lehre aus den vergangenen Tagen: man ist selber schuld, wenn man zusammengeschlagen wird! Gerade und vor allem, wenn man ein Politiker ist...genauer: ein linker Politiker:


Die Zeiten sind vorbei, als man sich, egal welcher politischen Gruppierung man angehörte, in diesem Land frei bewegen konnte und mit dem "Gegner" sogar bisweilen ein Bier trinken ging. Und dass es nun ausgerechnet den unbescholtenen SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr getroffen. hat, macht mich betroffen. Hans-Jürg, zusammengeschlagen von rechten Kundgebungsteilnehmern. Gute Besserung, lieber Genosse!

Hingegen muss auch in aller Deutlichkeit einmal festgehalten sein, dass die Linken selbst zur eskalativen Rhetorik beigetragen haben. Dass die Sozialdemokraten und die Grünen die Andersdenkenden aber auch immer so aufs Blut reizen, dass sich diese nicht mehr anders zu wehren wissen, als dreinzuschlagen!


Gerade die Rechtsautonomen, denen die bürgerliche Idee am Herzen liegt, denen aber sogar die SVP zu wenig bürgerlich ist (weil sie mit den linken Parteien in Regierungen sitzt), sind für ihre Gewaltbereitschaft berüchtigt. Ganze Landstriche in der Innerschweiz und dem Agglogebiet im Mittelland terrorisieren sie schon mit ihrer Gewalt. Meist sind es fünf SVP-Sympathisanten die auf einen Linken oder Netten losgehen. Da wird getreten und geklatscht, dass die Polizei garantiert jedesmal ausrücken muss.


All die Velos von grünen Studenten, Solarpanels auf den Dächern und all die vegetarischen Restaurants die schon vom den rechten Aktivisten demoliert wurden! Das ist doch nur noch blinde Zerstörungswut!!


Und diese rechtsnationalen Chaoten haben mit dem "Haus zur Freiheit - Landgasthof zur Sonne" im toggenburgischen Ebnat-Kappel jetzt auch noch einen rechtsfreien Raum, wo sie sich zurückziehen können. In diesem „autonomen Kulturzentrum“ – so munkelt man – wird auch geraucht , gejasst und mit Bier und Schweinekoteletts gedealt. Und man heckt neue Pläne für Vandalenakte aus. Die Polizei ist machtlos, schaut tatenlos zu.


Vor allem anlässlich der "Antisozialistischen Abendspaziergänge" ist es jeweils infach nur desaströs, wie sich die SVP-Wählenden, vermummte RentnerInnen, einfache Angestellte mit wildem Blick und Bauern mit Mistgabeln gegen die Organe des Überwachungsstaats aufführen und Schaufenster einschlagen, städtische Linienbusse anzünden und die Mauern vollsprayen mit Sprüchen wie: „Sozialstaat zerstören – Blocher, putsch dich an die Macht!“.


Und erst die Protestkundgebungen vor dem EU-Konsulat in Bern oder dem UN-Menschenrechtsrat in Genf, wenn aus ganz Europa (Fidesz, Front National, Lega, Vlaamse Block etc) die Rechten ins Land einreisen und die halbe Stadt auseinandernehmen.

Auch die Kosten für die Polizeieinsätze, die die Krawalle nach dem berüchtigten Saubanner- und Demonstrationsumzug zum 1. August verursachen (organisiert vom "Reaktionären Weissen Block" und der Konservativen Jungfront Hüntwangen-Wil) und die Schäden im Zürcher Bankenviertel, die stets in die Hundertausenden gehen, zahlt am Ende der brave SP-Wählende Steuerzahler. Nicht dass der das nicht gerne täte (Steuern zahlen) aber so geht es nun auch nicht!


Und jetzt wurde also Nationalrat Hans-Jürgli Fehr, der sympathische intellektuelle Haudegen der sozialistischen Volkspartei auf seinem Gang zum SP-Rentnerhöck im Zürcher Volkshaus brutal vom rechten Widerstand zusammengeschlagen. Setzen wir gemeinsam ein Zeichen gegen rechte Gewalt und für mehr Anstand in der Politik - auch von der SP!


Na ja, eben: er ist aber auch ein bisschen selber schuld: Hätte er sich mit den kommunistischen Parolen etwas zurückgehalten im neuen Parteiprogramm, dann wäre ihm das auch nicht passiert. Soll er doch Polizeischutz beantragen in Zukunft! Ausserdem hätte er ein Taxi nehmen können, der linke Tubel!

Mittwoch, 12. Januar 2011

Et in Bloggam Pax

Das Kriegsbeil ist begraben, die Friedenspfeife angezündet.

Wir harren der Dinge, die da kommen und erfreuen uns an Freiheit, Gleichheit und Brüderlich- sowie Schwesterlichkeit!


Dunkle Gestalten mögen dräuen und hadern, graue Wolken mögen die Herzen und Sinne der Menschen verdunkeln, doch niemand kann die Sonne davon abhalten, hell über alle Menschenkinder zu scheinen.

Einen sehr guten Tag wünsche ich ihnen allen!

Dienstag, 11. Januar 2011

Mamablog - das Ende der Gemütlichkeit

Der Mamablog ist am Ende!

Sein eigener Erfolg war sein Untergang. Requiescat in pacem, dear Motherblog! Zur Stunde sind es 1'400 Kommentare im geschickt auf das Wochenende hin platzierten zweiten Beitrag zur Armeewaffeninitiative. Und 850 Kommentare zum geschickt aufs Wochenende hin platzierten Beitrag No. 1 zur Armeewaffeninitiative.


Über 2500 Wortmeldungen zu diesem ThEmA innert weniger Tage. Einmal reizte ein Bild einer Familie mit Kindern, worauf der Vater ein Sturmgewehr in Händen hält die Kontroverse an, das zweite mal war es ein herziger Teddybär der umgekippt mit blutiger Durchschusswunde darnieder lag. Tendenziös, provokativ, sensationsgeil? Ja, natürlich!

Einmal hiess der zur Initiative kritische Beitrag ursprünglich "Wenn der Gefährte zur Gefahr wird" und wurde in "Warten bis es knallt" umgetauft. Und ein andermal hiess der zur Initiative unkritische Beitrag ursprünglich "Wovor habt ihr solche Angst?" und wurde in "Killerargumente" umgetauft. Tendenziös, auf Eskalation aus, polarisierend? Ja, natürlich!

Mit diesen zwei Beiträgen hat sich der Mamablog aus dem geschützten Raum verabschiedet, wo Eltern-, Mütter-, Familien-, etwas seltener Väter- und ganz häufig Genderangelegenheiten in einem gegebenen Rahmen - notabene der gemeinsamen Website wichtiger, angesehener Tageszeitungen aus den grössten deutschsprachigen Städten des Landes - erörtert werden. In punkto Dynamik, Meinungsvielfalt und ganz generell öffentlicher Aufmerksamkeit und Ausstrahlung ist der Mamablog in den letzten Monaten weit über das hinausgewachsen, was er einst war.

Es wäre schlicht ein Wunder, wenn die Tagesanzeiger/Newsnetz-Chefs nicht die eine oder andere Form der Kontrolle über dieses politisch relevante Forum im eigenen Haus auszuüben interessiert wären. Wie dies vor sich gehen und sich bemerkbar machen wird, muss sich noch zeigen.

Mit dem Preis "beste Journalistinnen des Jahres" für die Macherinnen hat sich jedenfalls die Aufmerksamkeit auf den Mamablog multipliziert. Nur etwas ist gleichgeblieben: eben diese Macherinnen haben keine Ahnung, wie sie mit ihrer neuen Rolle zurechtkommen sollen.

Derzeit herrscht nämlich im Mamablog Wildwuchs einerseits und sehr punktuelle Zensur andererseits. Die alten Verdächtigen, die den Mamablog seit nunmehr anderthalb Jahren als Tagesstruktur und Tummelfeld für Frustrationen, Flirts und recht eigentlich als "Community"-Angelegenheit missverstehen - und missbrauchen -, ekeln Neue raus und verteidigen das politische korrekte Wellness-Revier und suhlen sich im selbstgefälligen Mittelmass.

Nun, die oben genannte Diskussion über ein politisches Thema hat den gewohnten Rahmen definitiv und unwiederbringlich gesprengt. Neue Blogger kamen hinzu und waren nicht bereit, sich dem brav-bequemen Kuschelkonsens der "alten Garde" unterzuordnen. Interessant ist ja, dass praktisch zeitgleich die feministischen Platzhirschkühe (Pippi Langstrumpf, Globetrotterin) von verschiedenen Seiten in Bedrängnis gerieten.

Es ist ironisch, dass einer, der zu den Nestbeschmutzern gezählt wird, dies feststellen muss: die Idylle des bedeutungslos dahindümpelnden Mamablogs ist vorbei!
Mamablog ist einer der wichtigsten Weblogs der Schweiz geworden und seine Ausstrahlung stellt einiges in den Schatten, was selbst eingefleischte Gegner noch vor Kurzem kaum für möglich gehalten hätten.

Die Frage lautet nun, wie die verantwortliche Redaktorin Michèle Binswanger mit ihrer Verantwortung umgeht. Hält sie weiterhin ein kleinliches, selektives und nach Prinzipien der Beliebigkeit funktionierendes Kontroll- und Zensurregime (mit beträchtlichem zeitlichem und personellem Aufwand) aufrecht? Würde sie zuschauen, wie Orlando und Konsorten ihren Blog löchern, indem sie sich täglich, stündlich unter immer neuen Namen auf Mamablog anmelden und kommentieren? Oder schaltet sie grosszügig frei (wie in den Waffenblogs), damit sie mehr Kommentare generiert und mehr Werbeeinnahmen?


Oder erkennt sie, dass nur der FÜR ALLE freie Zugang zu ihrer Plattform wirklich verantwortungsvolle, offene und mit Vernunft geführte, allein auf die Kraft des guten Arguments vertrauende Diskurse ermöglicht?

Mit als erwachsene Menschen wahrgenommenen Bloggern, die sich Ernst genommen fühlen und respektiert werden vom Management? Die deshalb auch keinen Grund haben, den Mamablog in irgend einer Weise zu schädigen oder für irgendwelche Manipulationen zu missbrauchen?

Let cool Heads prevail, dear Michèle! Guten morgen Zukunft.

Dienstag, 4. Januar 2011

Sehr geehrte Frau Binswanger... - offener Post an die beste Journalistin des Jahres

Denn wie man sich bettet, so liegt man
Es deckt einen da keiner zu
Und wenn einer tritt, dann bin ich es
Und wird einer getreten, dann bist’s du.

...dichtete Bertold Brecht in "Mahagonny". Die alte hedonistische, linke Socke hat damit zwar zynisch anzuprangern versucht, was so böse sei am Kapitalismus aber vielmehr noch hat er in drastischen Worten ausgedrückt, was in jeder wirklich freien Gesellschaft abgeht, abgehen muss. Der Preis für Freiheit ist, diese Freiheit jeden Tag gegen jene, die dich übervorteilen wollen und auf deine Kosten ein gutes Leben haben, verteidigen zu müssen. Und zweitens musst du den Verlockungen totalitärer Angebote und der Fremdbestimmung widerstehen, selber stark sein. Und drittens: du darfst deinen Gegnern das Feld nicht kampflos überlassen, sondern musst sie dort bekämpfen, wo es sie trifft, wo sie verletzbar sind.


Die Achillesferse der Stalinistinnen und ihrer Helfer im Mamablog ist das Internet. Wikileaks hat es gezeigt: es gibt bald keine Bereiche mehr, wo sich die Unterdrückung des freien Informationsflusses ungestraft breit machen kann und wo die schamlose Ausnützung antidemokratischer Meinungsmacht Bestand hat.

Auch der Mamablog wird in Bälde kein Ort mehr sein, wohin sich einseitig radikales Gedankengut, Günstlingswirtschaft nach Kriterien der ideologischen "Korrektheit", selbsternannte Geschmacksrichter und sektiererische Ideologen in einen Schutzbereich zurückziehen können, der gegen den Widerspruch von freiheitlich denkenden Menschen geschützt wäre.
Man kann sich also täglich, wenns sein muss sogar stündlich, unter immer neuen Namen dort anmelden und die Zensurwirtschaft in den Bankrott treiben. Man kann dies selbstverständlich von unterschiedlichsten IP-Adressen aus machen. Und man kann diese Attacke natürlich nicht auf den Mamablog allein beschränken: die Schweizer Blogszene ist nicht riesig, sondern übersichtlich. Schnell gerät der Mamablog in ein schiefes Licht.

Es gibt keinen hartnäckig langlebigeren Makel als schlechte Reputation, Frau "Beste Journalistin des Jahres"!

Aus meiner Sicht haben Sie bereits kolossal versagt, Frau Binswanger. Es gibt aber einen Weg aus ihrer Misere: Sie sind die Chefin! Also, nur zu, etwas Mut, Michèle! Orlando, Max und Eni werden ab sofort auf Mamablog freigeschaltet. Es gibt keinen Grund, vor uns Angst zu haben. Wenn wir von Ihnen respektiert werden und gleiche Behandlung erfahren, wie andere streitbare Blogger* auch, haben wir auch keinen Grund, Ihr Projekt grundsätzlich in Frage zu stellen oder gar zu gefährden.

Sollte aber dieser meiner Forderung nicht nachgekommen werden, droht ein hässlicher Krieg. Sorry!

Mit freundlichen Grüssen

Orlando

*Katharina, Pippi Langstrumpf, Globetrotter, Auguste etc. etc.

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Gestammel und Unehrlichkeit zum Jahresende

Die Mamabloggerinnen Michèle Binswanger und Nicole Althaus pralaggen heute grossartig mit ihrem schon eine Woche alten Auftritt in einer öden Talksendung einer Lokal-TV-Station - TalkTäglich von Telezüri - anlässlich der Ehrung "Journalistinnen des Jahres" durch das Fachmagazin "Der Schweizer Journalist" (bei dem 600 andere Journalistinnen und Journalisten aufgefordert waren, den oder die Besten aus ihrer Berufsgruppe zu küren; wieviele Branchenleute teilgenommen haben und auf wen sonst sich wieviele Stimmen verteilt haben, erfährt man natürlich nicht).


Liebe Gäste an Orlando's Bar, sehen sie sich das Video mal an:

Max vom Maxwort und Orlando Strasser werden darin sehr unschmeichelhaft erwähnt. Auf die dümmliche Frage des Moderators: "Die Kommentare muss man doch irgendwie kontrollieren, oder?" gibt eine stammelnde Mme Althaus (die übrigens so plastisch-lebendig viel hübscher aussieht als auf den seltsamen Bildern) zum Besten:

"Also...nun...ehm...ja. Am Anfang haben wir das sehr offengelassen, mussten dann aber schon Kommentare, die andere angriffen und beleidigten unter der Gürtellinie, die mussten wir anfangen auszuschalten".

LIAR, LIAR, PANTS ON FIRE!!!

Beachten Sie auch den Gesichtsausdruck der beiden Zensurtanten, insbesondere das verlegene Grinsen bei Binsi, wie Luusmeitli, die bei etwas ertappt wurden.

Hmmm..fragen Sie sich nicht auch gerade, werte Bargäste, ob Althaus/Binswanger im März auch die Kommentare "ausgeschaltet" haben, die Strasser einen "Dreckskerl", "treibts mit einer Gummipuppe zuhause", "Soziopath", "Fascho", "Kinderficker" nannten oder ihm Gewalt androhten?

Ach so, nein, diese Kommentatoren/-innen wurden nicht ausgeschaltet. Wozu auch? Viel einfacher war es, diejenigen "auszuschalten", denen die Kommentare unter der Gürtellinie galten!

Meinen gestrigen diesbezüglichen Kommentar auf dem Mamablog - im Tonfall sachlicher, als meine Schreibe hier jetzt – hat Frau Binswanger natürlich zuerst kontrollgelesen (wie alle Kommentare in denen ihr Name erscheint: die sind Chefsache) und dann klammheimlich im Papierkorb verschwinden lassen.

Journalistinnen des Jahres - pah!

Und bei deiser Gelegenheit - Ihnen allen ein gutes Nöies und gute Gesundheit, Mut zur Ehrlichkeit, viel Erfolg und unverminderten Elan bei ihren Vorhaben und Projekten!

En guete Rutsch!

Samstag, 4. Dezember 2010

Lasst die Schafe nun friedlich grasen

Ich könnte jetzt hier an meiner Bar summarisch referieren, was ich in dem Monat seit dem letzten Eintrag alles hier einschreiben wollte (eine flammende Rede für mehr reiche Leute und Steuerwettbewerb - und wieso man keinesfalls die sozialistische Steuerinitiative der SP annehmen dürfe sowie eine detaillierte Auseinandersetzung, wieso der Gegenvorschlag zur Auschaffungsinitiative nichts taugt).

Aber eben: die Zeit vergeht im Flug und die Arbeit im echten Leben ist (gottseidank) nicht gerade zu wenig.

Das Intelligenteste, was ich in der vergangenen Woche nach der Abstimmung zur SVP-Auschaffungsinitiative gelesen habe, fand sich ausgerechnet, am letzten Mittwoch, im Tagi. Da macht sich zwar ein Linksliberaler Gedanken zur Sache, aber er kritisiert vor allem die kopf- und wirkungslos agieren Linksgrünen in der Schweiz, die lieber steinzeitkommunistische Parteiprogramme schreiben, als hier mit offenen Augen in der Gegenwart politisieren.

Auch der Mob der am Sonntag gegen das Plebiszit randalierte und frisch renovierte Zunfthäuser angriff und ein Grüner Polizeidirektor, der am liebsten selber mitdemonstriert hätte, wie er sagte, sind eher ressentimentgeladene Demokratiefeinde denn wirklich intelligente Diskurspartner.

Ich meine ja nur: wir brauchen doch auch einen Gegner, gegen Sozis, die wehr-, saft- und ideenlos am Boden liegen ist nicht so lustig zu kämpfen...


Hier der ganze Text (um Urheberrechte schere ich mich keinen Deut):

Der Schlaf der Gerechten von Oliver Zimmer

Die kritische Intelligenz der Schweiz lamentiert oft, die SVP habe das Land in eine Verdummung gestürzt. Scheinbare Beweise sind rasch zur Hand: Aufstieg der Partei zur stärksten politischen Kraft im Land; der Ausgang der Minarett-Initiative; schliesslich die Annahme der

Ausschaffungsinitiative am Sonntag. Es ist davon auszugehen, dass man sich künftig noch stärker an die Idee der angeblichen Volksverführer klammern wird. Beim Argument handelt es sich in Wirklichkeit um eine intellektuelle Leerformel.

Denn die Blocher-Partei befindet sich auch deshalb im Hoch, weil der fortschrittliche Liberalismus in der Schweiz versagt. Defizite bei der Deutung der Schweizer Geschichte und Gegenwart spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Meinung etwa, dass sich Hunderttausende von Menschen von einer gut geschmierten Propagandawalze einfach so überrollen lassen, ist in der modernen Geschichtsforschung längst überholt. Ideologien lassen sich nur dann verkaufen, wenn sie die Leute irgendwo abholen.

Jedem sein Wutbürger?

Warum hat die SVP mit ihren Initiativen zu den Themen «Fremde» und «Ausländer» Erfolg? Manche Kommentatoren glauben, es liege an der Globalisierung; etwa daran, dass die Konkurrenz auf dem Wohnungs- und Stellenmarkt grösser geworden sei. Beliebt ist auch die Vorstellung, wonach sich die gesellschaftliche Entwicklung so sehr beschleunigt habe, dass die sozialen und kulturellen Verhältnisse unübersichtlich geworden seien. Mit der Folge, dass sich die Leute in ihrer Haut nicht mehr wohlfühlen würden und ihnen die einst vertraute Umgebung fremd geworden sei.

So ähnlich wurde kürzlich, in Anlehnung an philosophische Grossmeister, auch in dieser Zeitung räsoniert: Die Globalisierung habe den «Wutbürger» erzeugt, dessen Ressentiment sich vor allem gegen den «Weltbürger» richte, der sich den Blick aufs grosse Ganze bewahrt habe. Solches hat man, so oder ähnlich, schon oft gelesen. Der Sound klingt vertraut. Vor allem aber ist er merkwürdig geschichtslos.

Der grosse Assimilationsdruck

Ganz ohne historische Substanz geht es aber nicht. Sie zeigt zum Beispiel, dass alte Republiken einen grösseren Assimilationsdruck ausüben als nicht republikanische Staatswesen. Die Maxime von der einen und unteilbaren Nation gehört seit der Revolution zur Grundausstattung des nationalen Selbstverständnisses in Frankreich. So bezeichnete Nikolas Sarkozy die Burka als unvereinbar mit den Grundsätzen der Französischen Republik.

Es gibt aber wohl kaum eine Gesellschaft, die einen ähnlich grossen Assimilationsdruck erzeugt wie die kommunal verfasste Republik Schweiz. Anders als im benachbarten Ausland haben es die Schweizer Gemeinden bis heute geschafft, die Machtausdehnung des Staats in zentrale Bereiche des öffentlichen Lebens zu verhindern. So gibt es kein anderes Land, wo die Gemeindebürger über die Aufnahme ins Schweizer Bürgerrecht befinden.

Assimilationsmaschine stockt

Das hat Folgen: Anders als in andern Ländern agiert in der Schweiz nicht der Staat als Gralshüter der Nation, sondern die Bürgerin und der Bürger. Damit wird das Nationale zum festen Bestandteil der bürgerlichen Lebenswelt – und damit auch die Assimilation. Jeder Schweizer ist ein potenzieller Schweizermacher. Genau dort holt die SVP die Leute mit ihren Initiativen ab. Kriminalität von Ausländern bildet die Antithese zur Assimilation. Das mag mit erklären, warum es vielen Leuten anscheinend egal war, dass die SVP-Initiative nicht unterscheidet zwischen leichten und schweren Delikten. Jedes Delikt stellt die Integrationsbereitschaft infrage. Da schlägt offenbar der Schweizermacher in manchen Schweizern zu. Das pauschal als Fremdenfeindlichkeit zu taxieren, ist jedoch billig und erklärt wenig.

Dass die SVP die Geschichte und Gegenwart der Schweiz in einem zentralen Bereich offenbar besser verstanden hat als ihre Gegner, das ist mit das Bedenklichste der Abstimmungen der letzten Jahre. Dem Land fehlt ein intelligenter Linksliberalismus. Nötig wäre zum Beispiel, dass sich die selbst ernannten Weltbürger endlich kritisch mit dem Thema Integration auseinandersetzen. Das bedingt aber ein besseres Verständnis für die historischen Prägekräfte der Schweiz.

Wer glaubt, die Geschichte verliere mit der Globalisierung an Bedeutung, huldigt einem Mythos. Mit Appellen an die Willensnation ist es indessen nicht getan. Von zentraler Bedeutung ist die kommunale Prägung der schweizerischen politischen Kultur. Der Gemeinde-Republikanismus hat immer wieder starke ausschliessende wie integrierende Kräfte freigesetzt. Die Politik der SVP appelliert an Erstere. Fortschrittliche Liberale sollten beginnen, sich für sein integratives Potenzial zu interessieren.

Der Zürcher Historiker Oliver Zimmer lehrt Moderne Geschichte an der renommierten Universität Oxford. ---

Was denken Sie, liebe Leser? Hat Zimmer Recht? Sieht er vom Ausland aus etwas klarer als unsere Journalisten, Linkspolitiker und Chefintellektuellen im Land?

Wieso haben die Linken zum Beispiel Sie nicht erreicht mit ihren Anliegen? Sind auch Sie von der "millionenschweren Propagandamaschine" des Economiesuisse überrollt worden und stimmten danach wie unter innerem Zwang gegen die Steuer"gerechtigkeits"initiative?

Ist es nicht eine schallende Ohrfegie für Parlament und Bundesrat, dass in keinem einzigen Kanton der Gegenvorschlag eine Mehrheit findet? Eine Ohrfeige wofür?

Übrigens ist am Wochenende etwas passiert, was bisher niemand für erwähnenswert befand: Die SVP ist mit einem ihrer ureigensten Anliegen bis weit über ihre Wählerschaft hinaus in die Mitte der Gesellschaft marschiert. Und dies bei einer unüblich hohen Stimmbeteiligung: die Linken gingen für die Steuerinitiative stimmen und legten dann gleich noch ein Doppelnein gegen die Schäfchenplakate in die Urne. CVP, FDP und die anderen "anständigen" Parteien der schwammigen Mitte haben brutal Schiffbruch erlitten.

Lassen Sie mich mit dem persönlichen, ehrlichen Wunsch schliessen, dass wir nun eine Weile Ruhe haben mögen vor dem Ausländerthema und uns wichtigeren Themen zuwenden. Immerhin sind nächstes Jahr Wahlen und da möchten wir schon gern wissen, welche Ideen vorhanden sind, um die Schweiz in eine erfolgreiche, sichere und unabhängige Zukunft zu führen (darunter gibts für mich nichts), und nicht nur darum, ob man jetzt einen oder zwei Bundesräte beanspruchen kann oder nicht.

Heute schliessen wir mit J.S. Bach das Kapitel "Schäfchenplakate" ab, das die Schweiz seit drei Jahren in Atem gehalten hat. In Bachs Kantate BWV 208 heisst es:

Schafe können sicher weiden,
Wo ein guter Hirte wacht.
Wo Regenten wohl regieren,
Kann man Ruh und Friede spüren
Und was Länder glücklich macht.

Regenten wollen wir zwar keine und die Hirten sind in unserer Demokratie wir selber - oder allenfalls der Herr ganz oben. Und anhören kann man sich das herrliche Stück Musik hier: http://www.youtube.com/watch?v=TYjqnlc7MRw

Schönen zweiten Advent Ihnen allen und ihren Familien!

Donnerstag, 4. November 2010

Orlando's scharfe Idee

Weil das handverlesene Grüppchen an meiner Bar partout nicht mit mir über George W. Bush und die grosse Zeit der Nullerjahre diskutieren mag - und in Washington derweil die Konservativen eine Tea Party feiern können (hip hip hoorray, guys and girls!) - biete ich auf diesem Kanal zur Abwechslung mal wieder etwas leichtere Kost.

Die Auseinandersetzung über die wirklich wichtigen Themen läuft unterdessen bei unserem Bruderblog, dem Maxwort, weiter!

Leichte Kost ist also die Devise und ich habe Da ein Rezept "erfunden", das leicht und doch extrem schmackhaft ist. Es ist ein Fantasiegericht - ein essbares Asien-Klischee - das ich so ungefähr der koreanischen Halbinsel (wie ich mir sie vorstelle, war leider noch nie dort...) zuordne, von koreanischen und japanischen Rezepten ist es inspiriert. Und doch lässt es sich ohne exotische, teure Zutaten herstellen.


Scharfes koreanisches Rindfleisch mit Gurken

Man nehme (für 2 Personen):

- 400 g Rindsplätzli oder Geschnetzeltes in feinen Streifen (oder Würfeln)
- 3 Knoblauch in Scheiben und 2 Frühlingszwiebeln geschnitten
- 1 bis 2 rote Chilischote, entkernt und in kleine Scheiben geschnitten
- 1 dl Sojasauche
- 50 ml Teryakisauce und 5-10 Spritzer scharfe Chilisauce (Asienregal im Migros)
- Sherry oder Weisswein

Je nach Vorliebe die Schärfe dosieren. Zutaten gut mischen und bei Raumtemperatur ca. 2 Stunden marinieren lassen. Derweil die Gurken vorbereiten:

- 1 grosse Salatgurke
- Salz und Zitronensaft
- exotische Kräutermischung, z.b. von Migros
- Reis (normaler Carolina oder allenfalls Parfümreis, kein Basmati)

Gurken schälen und längs halbieren, Kernen mit einem Teelöffel ganz entfernen und in Scheiben schneiden. Frische Kräuter dazugeben. Unbedingt dabeisein muss frischer Koriander. Dazu evtl. etwas Pfefferminze oder Limettenblatt. Aber auch Koriander und Schnittlauch geht. Zitronensaft und Salz darüber und im Kühlschrank marinieren.

Den Reis kochen. Zugedeckt stehen lassen.

Das Fleisch in wenig Sonnenblumenöl anbraten, nicht zu lang. Den (lauwarmen) Reis in Tellern anrichten, Das (heisse) Fleisch mit Sauce daneben geben und die (gekühlten) Gurken daneben anrichten.

Dazu passt ein Fruchtgetränk (ich bin Fan der neuen Fanta Zero) oder Bier. Bitte kein Wein, die Schärfe lähmt die Zunge, der Wein wäre somit Vergeudung.

Eh, voilà, bon appetit! Es ist wirklich sehr lecker.

(Tipp: ich nehme immer den Beutelreis vom Migros: 1 Beutel pro Person reicht völlig).