Cocktails, gebrannte Wasser, Zigarrendunst -- die Gespräche an Orlandos Bar drehen sich um Medienkritik, Kultur, Philosophie, um Gesellschaftspolitik, Religion, Familie und Erziehung, um Mann und Frau -- und ums Kochen. Gejammer, Gelächter, Angeberei sowie gepflegte Beschimpfungen sind an der Tagesordnung.



Donnerstag, 4. November 2010

Orlando's scharfe Idee

Weil das handverlesene Grüppchen an meiner Bar partout nicht mit mir über George W. Bush und die grosse Zeit der Nullerjahre diskutieren mag - und in Washington derweil die Konservativen eine Tea Party feiern können (hip hip hoorray, guys and girls!) - biete ich auf diesem Kanal zur Abwechslung mal wieder etwas leichtere Kost.

Die Auseinandersetzung über die wirklich wichtigen Themen läuft unterdessen bei unserem Bruderblog, dem Maxwort, weiter!

Leichte Kost ist also die Devise und ich habe Da ein Rezept "erfunden", das leicht und doch extrem schmackhaft ist. Es ist ein Fantasiegericht - ein essbares Asien-Klischee - das ich so ungefähr der koreanischen Halbinsel (wie ich mir sie vorstelle, war leider noch nie dort...) zuordne, von koreanischen und japanischen Rezepten ist es inspiriert. Und doch lässt es sich ohne exotische, teure Zutaten herstellen.


Scharfes koreanisches Rindfleisch mit Gurken

Man nehme (für 2 Personen):

- 400 g Rindsplätzli oder Geschnetzeltes in feinen Streifen (oder Würfeln)
- 3 Knoblauch in Scheiben und 2 Frühlingszwiebeln geschnitten
- 1 bis 2 rote Chilischote, entkernt und in kleine Scheiben geschnitten
- 1 dl Sojasauche
- 50 ml Teryakisauce und 5-10 Spritzer scharfe Chilisauce (Asienregal im Migros)
- Sherry oder Weisswein

Je nach Vorliebe die Schärfe dosieren. Zutaten gut mischen und bei Raumtemperatur ca. 2 Stunden marinieren lassen. Derweil die Gurken vorbereiten:

- 1 grosse Salatgurke
- Salz und Zitronensaft
- exotische Kräutermischung, z.b. von Migros
- Reis (normaler Carolina oder allenfalls Parfümreis, kein Basmati)

Gurken schälen und längs halbieren, Kernen mit einem Teelöffel ganz entfernen und in Scheiben schneiden. Frische Kräuter dazugeben. Unbedingt dabeisein muss frischer Koriander. Dazu evtl. etwas Pfefferminze oder Limettenblatt. Aber auch Koriander und Schnittlauch geht. Zitronensaft und Salz darüber und im Kühlschrank marinieren.

Den Reis kochen. Zugedeckt stehen lassen.

Das Fleisch in wenig Sonnenblumenöl anbraten, nicht zu lang. Den (lauwarmen) Reis in Tellern anrichten, Das (heisse) Fleisch mit Sauce daneben geben und die (gekühlten) Gurken daneben anrichten.

Dazu passt ein Fruchtgetränk (ich bin Fan der neuen Fanta Zero) oder Bier. Bitte kein Wein, die Schärfe lähmt die Zunge, der Wein wäre somit Vergeudung.

Eh, voilà, bon appetit! Es ist wirklich sehr lecker.

(Tipp: ich nehme immer den Beutelreis vom Migros: 1 Beutel pro Person reicht völlig).

Sonntag, 24. Oktober 2010

Der "missunterschätzte" Präsident


"Ich werde nicht aufgeben - und wenn nur noch Laura und mein Hund Barney an mich glauben" (G. W. Bush zu Bob Woodward)

Fast zwei Jahre ist es her, dass er das Weisse Haus an Barack Obama übergeben hat - und doch ist George W. Bush, 43. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, immer wieder für angeregte Bargespräche gut. Wobei, "angeregt" ist vielleicht etwas untertrieben: nach wie vor spaltet dieser Mann und seine Politik die Meinungen und die Auseinandersetzungen um ihn werden mit einer Vehemenz geführt, die erstaunt. Nach wie vor verteidigt man ihn mit ideologischem Eifer oder man hasst aus tiefem Herzen oder mit einem ähnlichen ideologischen Eifer.Was hat dieser Politiker an sich, dass die Geister sich an ihm so herrlich scheiden können?


Als Bush nach Texas zog und Obama, dem Messias aller "fortschrittlich" denkenden Alteuropäer die Regierungsgeschäfte übergab - allein für sein Gewähltwerden erhielt der neue Präsident von der Osloer Nobelpreisakademie dann einen Oscar...pardon, einen Frie
densnobelpreis - sagte ein Korrespondent in "Echo der Zeit" auf Radio DRS2 (ich glaube es war Erich Gysling): "Jedenfalls hat Bush in seinen acht Jahren Spuren hinterlassen, wie kaum ein Präsident vor ihm."

Zwei Feldzüge (in Afghanistan und im Irak), eine Neuordnung der kompliziert gewordenen Welt der Neunziger Jahre mit der Bush-Doktrin ("Entweder ihr seid mit uns oder gegen uns") und daraus konsequenterweise abgeleitet, die "Axis of Evil", die Nichtunterzeichnung des KyotoProtoklls und die darauffolgende Krise der Klimaforschung...in entscheidenden Themen, die alle Menschlein am Anfang des 21. Jahrhunderts so beschäftigen, hat dieser Mann offenbar tiefe Spuren hinterlassen.


Mangelnden Gestaltungswillen kann man ihm gewiss nicht vorwerfen, ob man nun einverstanden ist mit dem Wie und Wo oder nicht. Selbst schärfste Kritiker werden dies anerkennen. Eine "lahme Ente" war dieser Präsident nicht.

Ist die Welt nach 8 Jahren George W. Bush eine schlechtere oder bessere als vorher? Welche Lehren müssen wir historisch ziehen aus 9/11 und der Art, wie dieser Präsident darauf reagiert hat? Und selbst bei den zahlreichen Fehlern, die dieser Präsident gemacht hat: wie gravierend sind diese auf lange Sicht? Hat man auch hier in Europa in den Nuller-Jahren nicht auch manchmal - wenn auch vielleicht aus der ptik des Augenblicks zu Recht - etwas überreagiert?

Darüber nachzudenken, kann heilsam sein, gerade auch jetzt, einige Jahre später. Die meisten von uns haben sehr bewusste Erinnerungen an das letzte Jahrzehnt. Und welches Fanal am Anfang stand: der 11. September 2001! Wie wir das miterlebt haben, fassungslos, elementar, mit seiner überwältigenden Bildwucht, hat uns geprägt und alles was damit zusammenhängt hängt mit Bush zusammen. Vielleicht sind wir deshalb so empfindlich. Wir sind noch in der Denial-Phase und sträuben uns, die Welt so zu sehen, wie sie tatsächlich ist.

Hier also eine vorsichtige Auflistung all der Dinge, die Bush vielleicht doch nicht so schlecht gemacht - oder wenigstens erfolgreich und konsequent zu Ende gebracht - hat:

1. Keine neuen Anschläge nach 9/11 auf amerikanischem Boden. Ein gutes Dutzend geplante wurde vereitelt.

2. Kein Land beherbergt und sponsert mehr Terroristen oder kommt in schwere Bedrängnis wenn es dies tut.

3. "The Surge". Aufgabe der Rumsfeld-Strategie und Aufstockung der Truppen im Irak, was dort erst den Frieden gebracht hat.

4. Kyoto: viele Schwindeleien und einseitige Panikmache der Klimaprediger wurden entlarvt. Diese müssen ihre Argumente besser beweisen, bevor man der Wirtschaft und den Arbeitsplätzen mutwillig Schaden zufügt.

5. Gleneagles-Gipfel: Milliardenpaket für Afrika und Kampf gegen AIDS in Südostafrika.

6. Steuersenkungen während ganzer Amtszeit (ca. 37 Milliarden Dollar, das die Leute mehr zur Verfügung hatten, vor allem der Mittelstand)

7. "No Child left behind": Grosse Offensive um Lese- und Schreibefähigkeiten an den Schulen zu fördern.

8. "Bailout": Banken gestützt und damit womöglich schlimmeres verhindert (kein Domino-Effekt beim Crash grosser Banken)

9. Stammzellenforschung: hat sie durch entsprechende Gesetze vorangebracht.

10. Bundesrichtererennungen: Abtreibung, Homo-Ehe und Drogenliberalisierung sind für die nächste Zeit vom Tisch.

Und was denken Sie? Ist die Welt eine schlechtere oder bessere geworden? Wie hätte man anders auf 9/11 reagieren sollen? Oder ist Bush der schlechteste Präsident seit je?


Donnerstag, 14. Oktober 2010

"Du musst dich verändern" - die Abwärtsspirale

Der “Wandel” (change bei Obama = der Kampfruf aller “Progressiven”) ist der Schlachtruf der modernen Kommunisten: alles ist im Wandel, wir müssen uns auch wandeln, weil es keine Werte für sich allein gibt (und schon gar keine absoluten, denn Gott ist ja tot!) sondern nur individuelle Wertbegriffe in Relation zu anderen individuellen Wertbegriffen, ein System von Werte-Pluralismus oder -pluralismen sogar, ist so ein Lieblingswort der “Change”-Rufer. Unnötig zu sagen, dass fürs erste die Werte der ANDEREN über diejenigen der verdorbenen, abendländischen, “spätkapitalistischen” Gesellschaft in Europa gesetzt werden müssen, weil diese ja für alles schlechte in der Welt schuld ist.

Das ist Dekadenz: wenn man krampfhaft die eigenen Werte niedrig-, dafür die Werte aller anderen - oder des ANDEREN grundsätzlich - hochhält!

Dieser “Wandel” als Programm bedeutet konkret die permanente Selbstabschaffung von Werten, die Freiheit, Demokratie und Wohlstand erst möglich gemacht haben, und sie wird von Hochschulprofessoren ebenso betrieben, wie von Politikern, Journalisten, Intellektuellen und Künstlern (bei denen ist es praktisch der einzige “content”, den sie noch liefern mögen).

Sarrazin hatte nicht unrecht mit dem Titel seines Buches: Selbstabschaffung. Was “Tradition” und überliefertes Wissen und vor allem gewachsene Strukturen des Zusammenlebens zwischen Menschen ist: es ist Schnee von gestern, es ist Aberglaube früherer, unterentwickelter Generationen, es ist patriarchalisch, altmodisch, degeneriert, konservativ, rassistisch, egoistisch, überholt, obsolet geworden.

Das Ziel dieser Leute ist eine Ordnung, in der das Individuum nicht mehr das Mass allen politischen Freiheitsdenkens ist, sondern in der sich die Gemeinschaft kontrolliert und planbar entwickelt. Dass sich in der bürgerlichen Welt Wohlstand und Freiheit am individuellen Glücksstreben misst, welches sich nur in einem freien Markt (nicht nur der wirtschaftlichen Güter, sondern der Fähigkeiten, Lebensentwürfe, Wertehaltungen, Ideen und Organisationsformen) verwirklichen kann, ist jenen Leuten ein Dorn im Auge.

Sie wollen eine bessere Welt erschaffen, mit dem besseren Menschen darin. Mit Menschen, die zur besseren Welt passen, nicht umgekehrt. Der Mensch soll wie ein Möbelstück in die bessere Welt sich einfügen. Die Sozis haben nie kapiert: die Welt ist nicht besser, als die Menschen, die darin wohnen.
Für sie ist der Mensch nur Manipuliermasse: "Es sind die gesellschaftlichen Verhältnisse, die den Mensch prägen, nicht umgekehrt" - was für ein Irrtum!

Die Sozis mögen nicht, dass an der Spitze aller Ordnung das Individuum – oder besser: die Individuen in ihren frei gewählten Zusammenschlüssen – stehen muss. Nein, sie wollen dort stattdessen einen irgendwie weisen, gerechten, fürsorglichen Staat installieren.

Sie erfinden oder suchen daher laufend neue “Ungerechtigkeiten”, “Unterdrückungen”, “Abhängigkeiten” um das individuelle Glücksstreben in Schranken zu weisen. Edward Miliband zum Beispiel, der neue Labour-Chef, sagt ja öffentlich, dass das Konzept freie Marktwirtschaft nicht mehr sakrosankt sei. Eine Art von Sozialismus soll das Zusammenleben gründlich regeln, weil natürlich die “Experten” und “Profis” und Beamten besser in der Lage sind, das Leben der Leute zu gestalten.

Das Problem ist nur, dass die Leute eben weniger doof sind, als dies die Sozis wünschen und deshalb nie mitmachen werden bei diesen Plänen!

Die hartnäckig betriebene, in vielen Fällen in purem kulturellem Selbsthass begründete, Selbstabschaffung äussert sich, wie Max richtig diagnostiziert hat, in der modernen Haltung:
“Ändern wir nicht die Misstände sondern passen die Gesetze und Regeln so an, dass es nicht mehr Missstände sind”.
Das sehen wir bei der Drogenpolitik, im Immigrationsbereich, im Strafrecht, in der Begegnung mit radikalen Muslimen, im Sozialwesen, in der Aussenpolitik, im Scheidungsrecht, in der Familienpolitik, im Schulsystem – überall dort wo gesellschaftliche Konflikte schwelen oder schon ausgebrochen sind und grosse Teile des politischen Establishments zu schwach und wankelmütig geworden sind um (1) Prinzipien zu formulieren, (2) klare Regeln aufzustellen und (3) diese auch durchzusetzen und stattdessen Pflästerlipolitik betreiben und Grundsatzentscheide meiden.

Ein Blinder sieht, dass die Spirale abwärts dreht und damit den Boden bereitet für die “Change”-Rufer, die für alles eine Lösung haben: Mehr Staat!

Und ja, mit Weisswein-schürfenden gescheiterten Pianistinnen und Studienabbrecherinnen und Ego-Bulldozern, die sich allein am persönlichen Machterhalt orientieren, gewählt von einem Parlament, das gern eine konkordante Kuschelzone wäre aber tatsächlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit jeder über den anderen herfällt wie wilde Tiere – mit solchen Leuten am Ruder sind die (noch) bürgerliche Grundfesten dieser Gesellschaft ernsthaft in Gefahr.

Sonntag, 26. September 2010

Lotto im Säli - und neue Ideen!

Das Nagelhaus kommt nicht hin, die Reitschule kommt nicht weg und Ausländer dürfen auch künftig nirgends mitstimmen.
Wieso eigentlich sollte man nicht auch Nicht-Schweizer an den Entscheidungen an dem Ort teilhaben lassen, an dem sie seit 10 Jahren wohnen? Man könnte diskutieren...Hingegen ist das Votum des Volkes zu akzeptieren, das wohl Mit- und Einmischung verwechselt. Ausserdem wäre zu erwarten, dass diejenige Ausländerschaft, die an ihrem Wohnort sich in das Zusammenleben einbringt wohl kaum einer sozialschmarotzenden und linksextremen Kaste angehört, somit wären Herr Lüdenscheidt und Frau Petkovic gewiss wertvolle Mitmischer - eh, ja...es soll halt nicht sein!

Dafür hat wohl Toni Brunner wohl bei meinem Blog von letzter Woche mitgelesen, wenn er jetzt in der SoZ (=Sonntagszeitung,
wie passend: die SoZialistische Wochenendzeitung aus dem Hause Tamedia...) die Überlegungen anstellt, die ich in einem der letzten Kommentare andachte:

Die SVP als stärkste politische Kraft im Lande könnte Partner für einen neuen Bundesrat suchen, der inhaltlich zusammenpasst (inhaltliche Konkordanz) und das Parlament vor die Wahl stellen: Lotto im Säli, wir haben uns mit FDP und Teilen der CVP zusammengerauft und können sieben Bundesräte stellen. Und
wenn das Parlament dies nicht will, dass bliebe, dass die SP als zweitgrösste Kraft (oder FDP und CVP zusammen als grosse Mittekraft) sich um solches bemühen.

Wir haben genug! SVP und SP/Grüne können einfach nicht zusammen. Denen fault (wie Urs Paul Engeler in der Weltwoche schrieb) lieber die Hand ab, als dass sie sich zusammenraufen würden und sich gegenseitig in den Bun
desrat wählen. Wieso sie zwingen?

Dieses Parlament, das aktuelle, hat es versäumt, der Konkordanz Genüge zu tun, indem es - zugegeben, in der schwierigen politischen Situation in der wir uns befinden - wenigstens, mindestens eine arithmetische hergestellt hätte, nachdem es selber, freiwillig und vorsätzlich mit der Blocher-Abwahl sich ein Problem gemacht hat, das zu lösen es offenbar ausserstande ist. Stattdessen haben sich FDP und SP gegenseitig vor dem Wahljahr je einen Bundesratssitz zugeschache
rt.

Und bereits macht sich die mächtige Mitte laut Gedanken, wie sie doch darum herumkommen könnte, einen echten SVPler als Bundesrat zu wählen (indem man Widmer-Schlumpf bei CVP unterkriechen lässt oder so).
Nun, denn: bring it on! Wir, das Volk, freuen uns auf ein spannendes Wahljahr und an noch viel spannendere Schlüsse, die das dannzumal neue und hoffentlich auch weisere Parlament aus den Resultaten ziehen wird. Es dürfte sich nicht viel an den Wähleranteilen der einzelnen Parteien ändern, das weiss jedes Kind. Jedes Kind wird aber auch begreifen, dass wenn jeder dritte Stimmbürger für eine Partei stimmt, diese dann absolut n
icht daran teilhaben kann, wie dieses unser Land regiert wird, dann könnte diese dritte unter uns leicht böse werden und sich fragen: lebe ich noch in einer Demokratie?, ja der ältesten und der vielleicht besten, oder nicht mehr? Wieviel Macht hat das Parlament? Und ist es gescheit, dass es so viel Macht hat und nach Belieben darüber befinden kann, was Konkordanz nach der Frühjahrsmode gerade heisst?


Und wer argumentiert, dass in der Schweiz 70% nicht SVP wählen: stimmt ja, aber dann seid ehrlich und sagt, wir Nicht-SPler möchten auch weiter gerne unter uns bleiben und euer Gedankengut draussen haben, ihr müsst halt selber schauen. Das wäre wenigstens ehrlich und offen. Dann müssen sie aber damit rechnen, dass das Volk künftig selber seine Bundesräte wählen möchte. Und jene seit rund 10 Jahren Übergangenen, Verspotteten und als "rechtsnational" Gebrandmarkten werden dafür erfolgreich kämpfen, kein Zweifel. In den Kantonen funktioniert das ja auch: Kantonsregierungen werden im Proporz vom Volk gewählt. Wieso sollte da im für globale Verhältnisse kleinen Land Schweiz denn nicht funktionieren?
Tatsache ist: Blocher wäre dann seit etwa 10 Jahren Bundesrat. Und Frau Schlumpf immer noch am Berg. Lotto im Säli!

Seien wir mutiger! Und verhelfen wir dem besten Konzept zum Durchbruch, das unserem wunderschönen Land den Wohlstand erhält, den sozialen Frieden sichert, seine Traditionen und seine Stabilität, die in seiner stolzen Unabhängigkeit gründet, nicht verleugnet und seinen Bürgern das Höchstmass an Freiheit, Würde und Selbstverwirklichung bietet!

Fürchtet Euch nicht!

Samstag, 25. September 2010

Herbstliche Schlemmerei

Es herbstelt gelb-rot, die Trauben werden gelesen, am Morgen liegt Tau auf den Blättern, die Ernte ist eingefahren und es gluschtet einem nach deftigeren Speisen.

Bevor's mit den Metzgeten in Landbeizen losgeht, hier eine Idee für einen bodenständigen, äusserst leckeren und nahrhaften Znacht für 2 Personen. Der übrigens als Alternative gedacht ist zum überall sich jetzt breitmachenden, langweiligen Münchner Zecherzmorgen, den trendigen Weisswürsten (die man als echter in der Schwiitz lebender Piefke jetzt im Migros und Denner mit "Fränkli" kaufen kann) mit süssem Senf und Brezen.

Blut- und Leberwurst mit karamellisierten Äpfeln und Rösti


Blutwurst ist in Frankreich populär als "Boudin noir" (es gibt auch die mildere Boudin blanc), die meist noch mit Zwiebelschmelze gefüllt ist oder Rosinen. Sie ist meist kleiner und etwas fester und würziger als die Schweizer Blutwurst und wird gerne gegrillt. In Deutschland kommt gestocktes Blut oft in Kochwürsten zum Einsatz, das ergibt dann mit Schwarte und Speck sogenannte Rot- und Schwarzwürste. In England isst man "Black Pudding" zum traditionellen Frühstück, in Spanien sind Blutwürste als "morcilla" bekannt.
Die Franzmänner und -frauen haben die Wurst auch in die Karibik gebracht und nach Louisiana, wo Boudin noch heute eine lokale Spezialität ist. In der Schweiz wird sie gerne zusammen mit Leberwurst gegessen.

Man nehme für 2 Personen:

- 4 kleine oder 2 grosse Blut- und Leberwürste

- vier kleine, säuerliche Äpfel
- Rosinen
- Butter, Zucker, Salz
- etwas Bouillon
- Weisswein

- Rösti

Zubereitung: Äpfel schälen und Kerngehäuse entfernen, in nicht zu kleine Stücke schneiden. In Butter anbraten, salzen. Rosinen und mind. 4 EL Zucker dazu geben. Die Äpfel darin karamellisieren lassen. Köcheln lassen und mit Weisswein ablöschen und wenig Bouillon dazugiessen. Nochmal Butter rein und mit Salz abschmecken.

Die Würste vorsichtig in der Bratpfanne braun braten. Hitze im Auge behalten: wenn die Würste zu heiss werden, platzen sie auf, das sieht unschön aus, erinnert an...nun, es sieht unschön aus.

Rösti braten und zusammen mit den Apfelstücken auf Tellern anrichten. Es sieht lustig aus, wenn man die Leberwurst anschneidet und sich der Inhalt in den Teller ergiesst.

Dazu schmeckt am besten ein dunkles Bier oder eine belgische Alkoholbombe à la Leffe.

Sonntag, 19. September 2010

Jackie O. Fehr - linke Millionäre wollen Bundesrat werden

Die offizielle SP-Bundesratskandidatin Jaqueline Fehr kannte bis vor dem Rücktritt von Moritz Leuenberger kaum einer, höchstens die KITA-Afficionados unter den linken Extremisten wussten, dass sie als Predigerin - ja, als im düsteren parlamentarischen Hintergrund, der Wandelhalle, wirkende Domina - hartnäckig für flächendeckende staatlich subventionierte Kinder-Abgabestationen waltet, die Schutzpatronin der
familienexternen Kinderbetreuungsfront in diesem Lande schlechthin ist. Sie verteidigte vehement auch die jetzt bachab geschickte Verordnung für einen sogenannten Kinder-Betreuungsausweis für Grosseltern und andere Verwandte.

Was die Fröntler nicht wissen: Jackie O. Pedergnana-F
ehr ist mit einem Verwaltungsratsmitglied der Zürcher Kantonalbank verheiratet (immerhin die drittgrösste Schweizer Bank!) oder eher: in Trennung lebend, seit etwa...nun, so ungefähr seit klar wurde, dass Moritz einen Abgang macht und Jaqueline rein kommen könnte. Das passt. Weil dieser Ehemann nun nicht so recht zum puristisch
linken Image passt.

Im Volk ist Jackie nicht beliebt, ihr Name verschwand während Wochen nach der Ankündigung von Leuenbergers Rücktritt, aus dem Medien. Niemand rief nach ihr! (nicht einmal ihr Winterthurer Genosse Giaccobo auf dem Club-Sofa). Dann hat aber die Bundeshausfraktion und das ZK der Sozialistischen Partei die "Projektarbeiterin" aus der Versenkung gezaubert und hob sie aufs offizielle Ticket. Weil sie eine solide Linksextremistin im sozialdemokratischen Schafspelz ist. Die Schafsklamotte passt sehr gut zu dieser nicht unsympathischen Frau.

So weit so gut. Dummerweise hat Jackie voller Elan und mit Hoffnung auf Imagegewinn ihre Vermögensverhältnisse als Ehepartnerin mit Pedergnana offengelegt (denn geschieden sind sie nicht). Und was kommt zutage? Des Ehepaares Vermögen hat sich wie von Zauberhand um eine halbe Million halbiert vom Steuerjahr 2008 auf das Jahr 2009! Gschpässig, nicht?
Aber es passt.

Denn die stramme Sozialistin sollte dann schon nicht a
ls Millionärin in den Wahlkampf ziehen, oder? Was würden bloss die Büezer denken, die sie ohnehin nicht wählen würden? -- wollen wir überhaupt eine solche linke Tante im Bundesrat? Welche Projekte à la 'der Staat kann es sowieso besser als ihr dummen Bürger' würde unsere geliebte "Projektarbeiterin" sonst noch so verfolgen in diesem höchsten Amt?

Ich meine, die SVP schlägt ja auch nicht den rechtsaussen-AUNS-Schlüer als Bundesrat vor...
Ein bisschen Anstand meine Damen und Herren!


Dafür habe ich von einem amerikanischen T-shirt abgeschaut und folgende 10 Wahlslogans für die Sozidemokratische Einheitspartei der Schweiz für das Wahljahr 2011 kreiert, gratis und freundschaftlich (ein Hobby-"Projekt" sozusagen; ich bin auch ein "Projektarbeiter"!):

10. Wir kämpfen verbittert für mehr Staat und weniger Bürger

9. Wir wollen die Unabhängigkeit der Schweiz nicht zerstören: wir möchten sie einfach gern nur noch im Landesmuseum als Ausstellungsobjekt sehen

8. Wenn Sie wollen, dass wir Sie ernst nehmen, ziehen Sie bitte nach Brüssel oder Berlin

7. Eines Tages wird all dies nicht mehr euch gehören!

6. Jede dritte Ehe wird geschieden, alle zwei Stunden wird ein Kind abgetrieben, jeden Tag kriegen 1200 Suchtkranke gratis Heroin vom Staat - das ist doch prima fortschrittlich so, nicht?

5. Bitte wählt uns! Keiner von uns kann in der wirklichen Jobwelt da draussen bestehen!

4. Worauf wollten die Gründer der modernen Schweiz 1848 hinaus? Jawohl, auf die Anti-Rassismus-Strafnorm. Nämlich!

3. Wir reduzieren den biologischen Fussabdruck der Schweizer, indem wir die Wirtschaft Job um Job schwächen...

2. Die Schweiz: wir wollen miterleben, wie sie zu Ende geht!

1. Wir wollen alles in dieser Schweiz verbessern, ausser für die Schweizer!

Was denken Sie liebe Barbesucher? Wer sollte Bundesrat werden? Und können wir das nicht besser entscheiden, als die 249 eitlen Elektoren im Parlament?

Freitag, 13. August 2010

Binsi-Wahrheiten

Kurz bevor Frau Althaus als neue Chefredakteuse bei einem Monatsmagazin den Lohn dafür kassiert, dass sie nun fast zwei mühsame Jahre lang wöchentlich etwa drei halbwegs schlaue Beiträge auf Mamablog veröffentlicht hat, kommt die andere Mamabloggerin und designierte Nachfolgerin der zwar feministisch angehauchten aber souveränen un letztlich Vollblutjournalistin bleibenden (also neutralen) Frau Althaus, Michele Binswanger, bereits ins Dribbeln.

Darauf aufmerksam gemacht, dass der gestrige Binsi-Blogeintrag von einem unlängst in einer anderen Publikation erschienenen Artikel abgekupfert ist, keift sie im Chor mit den

Scharfmachern um die Nonstop-Blogger/innen Pippi, Widerspenstige (alias Heidi Banz aus Basel) und dem alten Augie - aka der Kita-Fellini - gegen den Überbringer der Mitteilung. Das sind ja tolle Aussichten!

Höchste Zeit, sich mal mit Binswanger Michèle (Michelle war zu gewöhnlich, da musste ein Sonderzeichen hin) näher zu befassen. Wer dies tun will, dem sei geraten, ihren Auftritt in einer denkwürdigen SF-Club-Veranstaltung vom vergangenen Herbst zu studieren: dort diskutierten einige Künstler und freischaffende Schreiberlinge mit viel flexibler Tageszeit darüber, wieviel von den Eltern die Kinder denn so brauchen (es war damals gerade Kinder machen Fernsehen-Woche oder so ähnlich hiess das Ding).

Um es vorwegzunehmen: das Netzt gibt nicht viel über Binsi preis. Wer ist die Frau, die auf Mamablogs Seitenleiste im Trainerpulli schüchtern mit Rehaugen in die Kamera glotzt? Von der es noch weniger Bildmaterial gibt als von den Albrecht-Brüdern? Die an der Uni Basel Germanistik und Philosophie studiert hat (offenbar eine geeignete Vorbereitung zum Journalistendasein) und ihre ersten nachweisbaren Gehversuche in Basler Studentenmagazinen, Kunst- und Kulturpostillen und dann bei der BaZ machte? Und die seit einiger Zeit für Tagi/Newsnetz gelangweilt vom Opernball twittert oder sonst Mal ein Textchen schreibt.

In der Fernsehsendung begegnet uns eine extrem schlanke, seltsam gehemmt wirkende Frau. Die Diskussion verläuft ähnlich ziellos, wie manche Mamablog-Diskussion und Binsi profiliert sich auch dort eher unbeholfen und mit eher extremen Meinungen. Mit einem Augenaufschlag, der mal einen Mitdiskutanten tadelt, mal neckisch "wir verstehen uns" signalisiert. Eine Frau, die es sich gewohnt ist, dass Männer sie schön finden. Eine Frau, die eher Mühe hat, in ihrem baslerisch gefärbten Aargauerisch oder Zürcherisch klare Aussagen zu machen. Finde alles ich - aber machen Sie sich selbst ein Bild!

Sozialisierung ist wichtig und Basel ist ein linkes Nest. Eine rot-grüne Provinzstadt mit etwas Kunst und Kultur (wegen dem Chemiegeld) und einer altehrwürdigen Universität, an der sich komische Typen tummeln. Eine Stadt, die eine Anita Fetz hervorbringt, kann man nun wirklich nicht ernst nehmen.

Seien wir gespannt, was die neue Mamabloggerin vom Rheinknie mit ihrem Blog anstellt. Die Binswanger, die immer wieder unangenehm dadurch auffiel, dass sie in Diskussionen eingriff, vor allem wenn jemand niedergeschrien wurde (sie macht da gern mit und bezeichnet Blogger - wie mich - als nicht ganz hell), die Michèle also pflegt ja eher einen essayistisch-nabelschauigen Freestyle. So wissen wir von ihren Geburtswehen, ihrem Kletterhobby, ihren bald herzigen, bald zwangsoriginellen Überzeichnungen als wäre sie eine Comicfigur. Und so wissen wir seit kurzem auch, dass La Binswanger in ihrem Leben schon viele beschnittene Exemplare "begegnet" sind...- dies sagte sie zumindest in einem jener (vermutlich längst ausradierten) peinlichen Einwürfe zu einer unsäglichen Diskussion unter den Mamabloggistas zu Beschneidung. Danke Michèle, so genau wollten wir's nun auch nicht wissen.

Donnerstag, 12. August 2010

Haarsträubende Aussichten!

Ein (nicht übermässig ernst gemeinter) Beitrag von Bloggerin Eni.

Was waren das doch für Zeiten, als ich mit Inbrunst und Hingabe den Geschichten lauschte, in denen Gott die Welt erschaffen hat und sich Adam und Eva im Paradies tummelten.
Klar kamen mir relativ früh Zweifel wie das möglich sein kann, dass wir alle aus dem gleichen Guss sind, vor allem bei andersfarbigen Menschen, aber irgendwie habe ich die Einwände noch mehrere Jahre verdrängen können, bis ich mich dann mit der harten Realität abfinden musste.

Ich muss betonen: ich glaube nach wie vor an Gott (einfach nicht mehr in der althergebrachten Form), aber auch ich muss der Tatsache ins Auge blicken, dass wir mit grosser Wahrscheinlichkeit vom Affen abstammen. Meine Frage aber ist: muss man uns das denn unbedingt ansehen?

Klar, die Urmenschen brauchten das Fell um sich vor Sonne und Kälte zu schützten aber in den Zeiten von Sonnencreme, Zentralheizungen und C&A ist das doch wirklich nicht mehr notwendig. Bei Männern ist gegen Haare auf der Brust nichts einzuwenden, ebenso wenig wie unter den Armen, solange sie nicht zuviele oder zu lang sind, aber was um Himmelswillen soll den schön an Haaren auf dem Rücken
oder Schultern sein
? Was ist so toll daran, wenn im Zoo ein Gorilla ausbricht und die Männer in den Badis zu tausenden und abertausenden eingefangen werden und in Käfigwagen gesperrt werden, weil sie von Primaten nicht zu unterscheiden sind?

René Kuhn hat ja vor einiger Zeit eine Kolumne geschrieben, dass er aus Russland eine Frau imporieren musste, weil die Frauen in der Schweiz ungepflegt seinen. Droht uns Frauen bald das gleiche Schicksal? Müssen wir dann auch noch die Männer aus Russland importieren (keine Ahnung ob die weniger Körperhaare als Schweizer haben oder nicht) oder müssen wir uns an Asiaten halten?

Bei den Frauen ist es auch nicht anders: Unter den Achseln und aus den Bikinis lugen ausgewachsene Gryzzlibären hervor und an den Beinen sind die Haare so lang und dicht, dass man Zöfpe daraus flechten könnte. Wenn möglich haben sie auch noch einen Oberlippenbart auf den mancher Mann eifersüchtig sein könnte.

Ich finde solche Anblicke einfach nur unästhetisch und schmuddelig.

Was meinen Sie liebe Leser: sind meine Ansichten übertrieben oder finden auch Sie solche Aussichten zum Haareraufen?

Montag, 9. August 2010

Standby

Liebe Freunde, Kollegen, Feinde, Stalker und Idioten,

in Bälde verwöhnt Orlando's Bar das Publikum wieder mit harten Drinks, faulen Sprüchen, ätzender Polemik und guter Laune! Versprochen!

Haben Sie einige Zeit Geduld und die Faust des Kosmos haut wieder kräftig auf den Tisch und die brüllend laute Stimme der Wahrheit lässt wieder die Zauderer und kuscheligen Weicheier erschauern und zusammenzucken.

Im Moment habe ich echt allzuviel sonst um die Ohren. Bedient Euch selbst ihr Jünger und brechet vom Brot und leeret die Kühlschränke. Ich entschuldige mich für mein sieches Gastgebertum und gelobe, bald wieder mitzuzechen!

Bei Mäxu änen erholt sich das Sommerloch langsam von sich selbst und dort wechselt auch das Design ständig - von Herbstbrücke zu Nichts zu Zuchtblumen. Es ist also dort momentan garantiert spannender als bei mir hier. Ausserdem diskutieren dort interessante Menschen, die was zu sagen haben.

Dixi. Buona Notte!

Samstag, 31. Juli 2010

La Suisse et Le Parfait

"It is sometimes easier to fight for principles than to live up to them" (Adlai Stevenson 1900-1965)

Stevenson war der US-Amerikanische Diplomat und UNO-Botschafter seines Landes, der im Gange der Kuba-Krise 1963 im UN-Sicherheitsrat den sowjetischen Abgesandten zur Rede stellte und vor der Welt lächerlich machte, als dieser noch immer zu leugnen versuchte, dass es auf Kuba sowjetische Mittelstreckenraketen gab. Er sei bereit, zu warten, bis der Russe seine Beweise bringe, "until hell freezes over!" (bis die Hölle gefriert). Die braven Sowjetbürger sassen damals in ihren engen, kalten Mehrpersonenhaushalten mit ihren traurig-heroischen Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg und wussten von der ganzen Sache: nichts. Da war keine Presse, es gab kein Medium, das frei und kritisch berichten konnte, was im Arbeiterparadies oder in der Welt geschah. Die einzige Zeitung - die Pravda ("Wahrheit" - ausgerechnet) schrieb über eine Wirklichkeit, die dem Zentralkommittee genehm war, eine Wirklichkeit die es in Wirklichkeit gar nicht gab!

Freie Presse, freie Wohnort- und Berufswahl, freie Wahlen und eine freie Zivilgesellschaft in der diskursiv ermittelt wird, welche Projekte, Ideen und Experimente man als Gemeinschaft wagt - das gab es in Russland damals nicht. In der Schweiz zur gleichen Zeit aber schon. Die Schweiz hätte es im Gegenteil gar nicht gegeben, hätten die Schweizer, die Bürger dieses Landes sich solche Freiheiten nicht erkämpft. Das war damals nur drei, vier Generationen davor. Ganz Europa hatte hysterisch gekichert, als die Schweizer sich eine demokratisch-freiheitliche Verfassung gaben.

Unsere Verfassung und unser Staat ist geblieben - wo sind jene, die damals lachten? Man kann sie im Geschichtsbuch suchen, der Rest ist bekannt.

Und wieder stehen wir am Scheideweg: ganz Europa scheint über diese störrischen, hoffnungslos rückständigen Schweizer zu lachen, die lieber den beschwerlichen, unsexyen, "unmodernen" Weg als Aussenseiter gehen - wie unpassend!

Alle Schweizer? Nein, ein kleines Grüppchen von Chefintellektuellen in den Schreibstuben der Nation im Verbund mit ein paar Künstlern und Euroturbos unter den Volksvertretern arbeiten hart an der Abschaffung unseres Landes und höhnen am lautesten über den dummen Tubel von Bürger, der einfach nicht wahrhaben will, dass der bequemere Weg auch der bessere Weg ist.

Fast scheint es, in Umkehrung des Spruchs von Adlai Stevenson, dass es heute einfacher ist, Prinzipien zu leben, sprich: die Vorteile des "Sonderfalles", eines freien, unabhängigen und reichen Landes zu geniessen. Beim geringsten Widerständchen aus dem Ausland sofort das Sturmgewehr im Zeughaus zu deponieren und mit weissen Leintüchern die Kapitulation zu erklären und mit Tränen der Dankbarkeit sich der Apotheose, dem Aufgehen im hlg. röm. Reich europäischer Nation sehnsüchtig hinzugben. Komm o Grosser Karl und schwängere mich mit deinem bürokratischen Pfahl, reiss mich in ghaddaffische Stücke und lass mich in süsser Selbstnihilierung glühend den Speichel seliger Dazugehörigkeit lecken und den Odem ganz europäischer Gewöhnlichkeit schnüffeln. Schmacht!

Ist es nicht tatsächlich so, dass der Pazifist Stevenson hier und heute in seiner Umkehrung wahr ist: Es ist einfacher Prinzipen zu leben und sie für selbstverständlich zu nehmen, aber wenn es darum geht, für sie enzustehen, um sie zu kämpfen und zu verteidigen, dann hängt das helvetische Schnäbi ganz tief (oder bammelt mehr so vor sich her, weil man es gewiss per autonomem Nachvollzug bereits auf EU-Norm heruntergeschrumpft hat)?

Was denken Sie? Sollten wir uns aus dem engen Gefängnis unseres Schweiztums befreien? Oder hatte Urs Paul Engeler recht mit seiner Feststellung: "Die Schweizer sind heute eine Ansammlung von Menschen, die sich amüsieren wollen, möglichst ohne Widerstände und jedem bei jeder Gelegeheit zu verstehen geben, dass sie nichts lieber als gleich wie das Ausland wären"? Wäre es da nicht besser, wir beenden das Experiment Schweiz und werden ganz normale EU-Bürger?

Um auf die Schweizer des Jahres 1963 zurückzukommen: meinen heutigen Eintrag widme ich aus gegebenem Anlass einer schweizerischen Spezialität sonder gleichen, die es so nirgendwo gibt, und zwar seit 60 Jahren!

Le Parfait symbolisiert für mich alles was Schweizerisch ist:

- Sparsamkeit (keine Paté sondern Hefe als Grundbestandteil)
- Charme (sämig, nicht zu würzig, nicht zu fettig, nicht zu klotzig, nicht zu bunt)
- Fleiss und Innovation (im Krieg aufgrund von Knappheit entstanden)
- Interkulturalität (wer hat's erfunden? Ein Welscher.)
- Pragmatismus (le Foie dans le Tube? Les Francais rümpfe les Nazes!)
- Modernität (es gab mit der Zeit eine Gelbe mit Geflügelleber, eine Vegi und eine Thunfisch)
- Erfolg (erst Schnapsidee eines Studenten, später kaufte es Nestlé)
- Tradition (lange ein Familienbetrieb im Freiburgischen)
- Integration (ob Kroate aus Basel oder Tamile aus Brig - jeder kennt es! Jeder mag es!)
- Sozial (liegt beim Millionär genauso wie beim Strassenwischer im Kühlschrank)
- Weltoffenheit (überaschen Sie mal Freunde aus dem Ausland damit...!)
- Vielseitigkeit (fürs Canapé genauso wie fürs Picknick)
- Freundlichkeit (es kommt noch ein Schlaargg wenn man die Tune fachmännisch auspresst)
- Chic, ja fast Eleganz (siehe Bilder)
- Amicable (die Tube wandert im Kreis beim Picknick)
- Sexy (der Gentleman schweigt. Stichwort: Frühstück im Bett...!)


Ihne en schöne erschte Auguscht! Until hell freezes over!